Ich schreibe. Die KI widerspricht.
15.01.2026
Ich werde manchmal gefragt, wie viel in meinen Büchern eigentlich von mir kommt und wie viel von der KI.
Die kurze Antwort ist einfach: die Ideen, die Figuren, die Geschichten – all das entsteht bei mir.
Die längere Antwort ist komplizierter.
Denn natürlich nutze ich KI. Nicht, um Geschichten zu erzeugen, sondern um ihnen zu widersprechen. Um Formulierungen zu hinterfragen. Um Gedanken noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die KI ist für mich kein Ersatz, sondern ein Gegenüber. Eines, das keine eigenen Interessen hat, aber jederzeit bereit ist, meine Entscheidungen infrage zu stellen.
Das bedeutet auch: Ich gebe nichts ab, was ich nicht vorher selbst gedacht habe.
Eine Szene beginnt bei mir immer gleich. Mit einer Idee, die noch unscharf ist. Mit Figuren, die mehr erahnt als beschrieben sind. Mit einem Gefühl dafür, wohin sich etwas entwickeln könnte. Dieser erste Entwurf ist roh. Unfertig. Manchmal widersprüchlich. Aber er gehört mir.
Erst danach kommt der Moment, in dem ich die KI einbeziehe.
Nicht, um mir die Arbeit abzunehmen, sondern um sie zu prüfen.
Ich lasse mir Vorschläge machen. Alternative Formulierungen. Andere Blickwinkel. Und dann beginnt der eigentliche Prozess: auswählen, verwerfen, anpassen. Oft ist der erste Impuls der KI nicht der richtige. Manchmal ist er überraschend gut. In beiden Fällen bleibt die Entscheidung bei mir.
Die KI kennt meine Figuren nicht. Sie versteht nicht, warum ein bestimmter Satz stehen bleiben muss, obwohl er vielleicht holpert. Sie weiß nicht, welche Bedeutung ein Detail später noch haben wird. All das entsteht nur im Kopf desjenigen, der die Geschichte trägt.
Und genau da liegt für mich die Grenze.
Wer eine Geschichte nicht selbst entwickelt, sondern sie sich erzeugen lässt, trifft keine Entscheidungen. Er bewertet nur noch Vorschläge. Das mag effizient sein. Aber es ist etwas anderes als Schreiben.
Schreiben bedeutet, sich festzulegen. Sich zu irren. Umwege zu gehen. Dinge zu verwerfen, die eigentlich gut sind, weil sie nicht zur Geschichte passen. Es bedeutet, Verantwortung für jedes Wort zu übernehmen, auch für die, die nicht perfekt sind.
Eine KI kann dabei helfen. Sie kann spiegeln, beschleunigen, manchmal sogar überraschen.
Aber sie kann nicht entscheiden, was eine Geschichte bedeutet.
Das muss der Autor selbst tun.
Alles andere ist kein Schreiben.